Adieu, Strand

Ein Strand in Meppen? Ja, den gibt es noch – zumindest in seiner jetzigen Form. Denn geplant ist, dieses im Stadtgebiet gelegene Kleinod mehr oder weniger zu zerstören. Zugunsten einer Autobahn! Pardon: Europastraße. Aussehen wird diese aber eben wie eine Autobahn. Kurzum: So gemütlich wie jetzt wird es bei höherem Verkehrsaufkommen in unmittelbarer Nähe wohl nicht mehr.

Nun fragt man sich bei genauerer Betrachtung einer Straßenkarte und der Argumente der den Ausbau vorantreibenden Landkreise, was diese Pläne überhaupt sollen. Schließlich gibt es die im Norden und Süden parallel verlaufenden Autobahnen 28 und 30. Diese sind über die A31 im Emsland und die A1 bzw. A29 im Landkreis Cloppenburg hervorragend zu erreichen.
Zugegeben: Das LKW-Aufkommen ist teilweise hoch auf der jetzigen B402 bzw. B213. Dies ist ja auch ein Hauptargument der den Ausbau befürwortenden Landkreise und Städte. Würde man diese LKW aber auf die genannten Autobahnen leiten, wäre das Hauptproblem schon einmal aus der Welt geschafft. Schließlich ist der (je nach Fahrtstrecke zu sehende) Umweg nicht besonders hoch. Und wer dann oft so freie Fahrt hat, wie zum Beispiel an Sonntagen auf dieser Strecke, wird schnell erkennen, dass eine Autobahn Größenwahn wäre. Denn an solchen Tagen kann man schon jetzt oft kilometerweit fahren, ohne jemandem zu begegnen.

Aktuelle Entwicklungen bedenken

Besonders tragisch wird alles aber vor dem Hintergrund vieler aktueller Entwicklungen. Um nur einige zu nennen:
Gerade in diesem Jahr dürfte es durch die extreme Hitzewelle jedem vor Augen gehalten worden sein, dass die Menschheit etwas für das Klima und letztlich für sich selbst tun muss. Da kompromisslos weiterhin den Ausbau einer Straße für ein höheres Verkehrsaufkommen zu forcieren wirkt beinahe zynisch.
Außerdem: Die Kosten für dieses Projekt sind in den letzten Jahren nahezu explodiert. Dem hierzulande ohnehin stark gebeutelten Steuerzahler dies aufzubürden ist nicht nur wegen des in Deutschland bereits jetzt extrem hohen Ausbaus der Verkehrsinfrastruktur beinahe unverschämt. Schließlich gibt es auf bereits bestehenden Straßen zahlreiche Instandhaltungsprojekte, die dringendst angegangen werden müssten. Auch in unserer Region. Hier wäre das Geld sicherlich deutlich besser investiert.
Vom Schadstoffausstoß der Autos und LKW oder einer kommenden Maut  mal ganz zu schweigen. Die durch den Verkehr gegebenen Belastungen, nicht nur für den Steuerzahler, sind schon jetzt enorm.
Und weiter: Niedersachsen wird in Kürze enorme Beträge an die EU zahlen müssen, da vereinbarte Termine für die Einrichtung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten (sogenannte FFH-Gebiete; Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) vertrödelt wurden. Nicht zuletzt übrigens auch wegen aller Landkreise im Bundesland. Auf der einen Seite also Ausbau von Straßen und Raubbau an der Natur (für diesen konkreten Ausbau werden übrigens 1180 Hektar benötigt), auf der anderen Seite Versäumnisse bei der Ausweitung von FFH-Gebieten. Beides auf Kosten des Steuerzahlers.
Daher ist dies alles nicht nur für die Umwelt ein Trauerspiel, sondern auch für die Steuerkasse.

Probleme vor Ort

Nun aber zu den Meppener Problemfällen: Die Anwohner am Stadion in der Neustadt oder in Vormeppen beispielsweise werden die Leidtragenden, wenn man sich die Ausbaupläne anschaut. Bisher gab es eine Bundesstraße – bald haben die Bürger hier eine noch breitere und, so der Plan, höher frequentierte Straße direkt vor ihrer Haustür. Mit allen Nachteilen, die oben bereits skizziert wurden. Mancher Grundstücksbesitzer wird sicherlich nicht sehr erfreut über diese Aussichten sein. Und manche Bewohner wohl ebenfalls nicht, nicht nur wegen des erhöhten Verkehrslärmaufkommens (vgl. z.B. Ausführungen des Bundesumweltamtes zu diesem Thema).

Darüberhinaus tragisch ist auch der Plan ein wahres Kleinod der Naherholung in Meppen für eine Straße zu opfern: Den sogenannten Möllersee. Dieser muss stark verkleinert werden, um den Ausbau zu realisieren. Schade für die Tier- und Pflanzenwelt, traurig für die Badestrandbesucher, Jogger, Schwimmer. Dass die gerade nicht nur im Landtag benannten umweltschützenden Forderungen auf breiter Ebene zugunsten des Menschen und der Umwelt da wie hohle Phrasen klingen, ist wohl bedauerlicherweise nicht zu leugnen.

Nicht eingehaltene Zusagen

Bereits im August 2012 sagte Landrat Reinhard Winter (CDU) der Meppener Tagespost, dass mit den Eigentümern über die Verlegung und Neuschaffung des Sand- und Badestrandes gesprochen werden soll. Genau sechs Jahre später, also im August 2018, ist dies jedoch immer noch nicht passiert: Bei einem von Bündnis 90/Die Grünen organisierten Treffen zur Information vor Ort erzählten Vertreter der Eigentümerfamilie, dass mit ihnen bis dato niemand vonseiten des Landkreises oder der Stadt Meppen als derzeitiger Pächterin gesprochen habe. Alle Informationen zum Ausbau und zu den dafür benötigten Länderein auf diesem Gelände erhielt die Familie aus der Presse. Irgendwie unverschämt.

Mögliche Lösungen

In meinen Augen wäre es sinnvoll den Transitverkehr auf dieser Strecke umzuleiten oder, wenn dies rechtlich nicht möglich ist, einen Ausbau der Straße, wie bereits jetzt schon in Höhe des Ortes Lastrup vorhanden, zu forcieren: Insgesamt dreispurig zum bequemen Überholen von LKW durch PKW nach jeweils wenigen Kilometern. So hätte der Steuerzahler eine Menge Geld gespart, welches in sinnvollere Projekte fließen könnte. Die Meppener würden ein Plus an Lebensqualität erhalten bzw. diese halten können.

Dass die Befürwörter und Planer nach Jahren der Vorbereitung noch über ihren Schatten springen und mit der Zeit gehen, wäre klug, aber ist wohl unwahrscheinlich. Sie unterliegen wohl dem irrigen Diktat des vermeintlich positiven Wachstums um jeden Preis.

Umdenken notwendig [Update 03.09.2018]

Dass ein Umdenken notwendig ist, wird immer deutlicher: Der Lüneburger Professor für Geographie Dr. Peter Pez sagte heute dem NDR, dass Staus auf deutschen Autobahnen aufgrund der maroden und in die Jahre gekommenen Strecken in Zukunft der Normalfall sein werden.
Viele Strecken, so Pez, stammen aus vergangenen Jahrzehnten, so dass nun eine Welle von Baustellen auf uns zu kommt, die „nicht wieder aufhören wird“. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es klug wäre, auf ein neues verkehrspolitisches Konzept hinzuarbeiten: Mehr öffentlicher Nahverkehr, Arbeitsplätze nah am Wohnort oder Wiederbelebung stillgelegter Bahntrassen. Ganz passend und konsequent wäre es da zum Beispiel, die Bahntrasse, die teils parallel zur geplanten E233 verläuft und streckenweise bereits 2014 restauriert wurde, weiter auszubauen und den Transport von industriellen Produkten von an der Trasse gelegenen Firmen auf die Schiene zu verlegen.
Vor diesem Hintergrundwissen wäre es doch mehr als klug und ehrlich, die teils jahrzehntealten und darum mittlerweile nicht mehr aktuellen Planungen auf Eis zu legen und hier einen mutigen Schritt in ein neues Zeitalter der Verkehrsplanung zu Gunsten von Mensch und Natur zu gehen.

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